Macht der Immobilienbesitzer in Berlin: Neuer Hausbesitzer kündigt eine Obdachloseneinrichtung in Wedding

Ungerecht, aber wahr! Ein Beispiel für die Macht der Immobilienbesitzer in Berlin Neuer Hausbesitzer kündigt, trotz Zusicherung des Weiterbetriebs, eine seit acht Jahren bestehende ASOG-Einrichtung mit 96 Plätzen in Wedding


Der milaa gGmbH, ein Tochterunternehmen des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf e.V., wurde der Mietvertrag für die ASOG-Einrichtung „Panorama Nord“ in der Osloer Straße 80 gekündigt. Trotz Zusicherung für den Weiterbetrieb kündigte der neue Immobilienbesitzer, Günter Fischer, den seit acht Jahren bestehenden Mietvertrag und vermietet die ASOG-Einrichtung stattdessen an einen anderen sozialen Träger. Das Haus muss bis zum 30. September 2016 geräumt werden. Um die Arbeit mit Obdachlosen bzw. mit Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, fortzusetzten, sucht die milaa gGmbH nun ein neues Haus mit bis zu 100 Wohnplätzen.

Das Haus in der Osloer Straße wurde vor wenigen Wochen von Günter Fischer, Geschäftsführender Gesellschafter von Engel & Völkers in Potsdam, aus der Insolvenzmasse der Alten Treberhilfe erworben. Nach monatelangen Verhandlungen über einen neuen Mietvertrag, der bereits Anfang des Jahres unterschriftsreif vorlag, wurde dem gemeinnützigen Träger auf Nachfrage vom Juristen mitgeteilt, dass es keinen neuen Vertrag geben wird. Zu dieser Zeit war der Verkauf bereits abgeschlossen und das Objekt an Herrn Fischer übergegangen. Jeanne Grabner, Geschäftsführerin der milaa gGmbH fragt: „Wurden die Verhandlungen mit uns nur zum Schein geführt, um den Kauf des Hauses über die Bühne zu bringen?“ Warum sich Herr Fischer im Fall der Osloer Straße gegen den aktuellen sozialen Träger entschieden hat, ist unklar. Der Preis kann es nicht gewesen sein, denn die milaa gGmbH hat stets deutlich gemacht, dass sie bereit ist mehr Miete zu zahlen als aktuell.

Die Nachricht, das Haus bis zum 30. September 2016 zu räumen, traf Dariusz Sasin, Einrichtungsleiter vom Panorama Nord und sein siebenköpfiges Team völlig überraschend. Nach acht Jahren die er das große Haus durch die Höhen und Tiefen der Alten Treberhilfe, später dann der Neuen Treberhilfe und seit Januar 2016 der milaa gGmbH führte, hoffte er auf Ruhe und Planbarkeit, um seine Arbeit in hoher Qualität weiter zu führen. Denn sein Anliegen war es stets, trotz aller Schwierigkeiten und Unsicherheiten, den Bewohnerinnen und Bewohnern einen Ort der Sicherheit und der Beständigkeit zu geben.

Auf Nachfrage wurde vom Union Hilfswerk bestätigt, dass sie die ASOG-Einrichtung in der Osloer Straße ab Oktober 2016 weiter betreiben wird. Für die derzeit dort lebenden wohnungslosen Menschen ist es die beste Lösung, um nicht obdachlos zu werden. „Die Situation zeigt deutlich, welche Macht Immobilienbesitzer in Berlin inzwischen ausüben können. Aufgrund ihrer neuen Machtposition gestalten sie soziale Arbeit und das nicht immer aus sozialpädagogisch-inhaltlichen Erwägungen heraus. Die ohnehin stärker werdende Konkurrenz um bezahlbaren Wohnraum wird zudem befördert, wenn eine ureigene sozialpolitische Aufgabe Privaten überlasse wird, die daraus ein Geschäft machen“, so Grabner.

Die milaa sucht nun ein neues Haus mit bis zu 100 Wohnplätzen. Jeanne Grabner hofft, dass es in Berlin Immobilienbesitzer gibt, die professionelle diakonische soziale Arbeit zu schätzen wissen und ihr eine Chance in der Zukunft geben.


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