Führungswechsel nach Sanierung, Jeanne Grabner setzt auf Qualität und neue Ideen

Nach rund zweijähriger Sanierungsphase ist die NTH Hilfe in Berlin in den Betrieb der milaa gGmbH übergangen.


»Wir sind froh, die Zeiten der Sanierung und der Betriebsübergänge erfolgreich hinter uns gelassen zu haben und uns mit neuer Kraft den drängenden Aufgaben unserer Zeit zu stellen«, so Gisela Netzeband, die scheidende Geschäftsführerin. Jan Dreher, kaufmännischer Vorstand des Ev. Diakonievereins und Gesellschafter der milaa, zeigt sich mit den bisherigen Entwicklungsschritten des ehemaligen Sorgenkindes sehr zufrieden. »Wir hatten besonders am Anfang turbulente Zeiten. Mit den bisherigen Geschäftsführern und insbesondere in den letzten zwei Jahren mit Frau Netzeband haben wir viel erreicht und werden den Weg gemeinsam und erfolgreich weitergehen.«

Milaa steht für »Miteinander leben, aber anders« – das beschreibt die vielfältigen Hilfeangebote des sozialen Trägers. So unterhält das Tochterunternehmen des Evangelischen Diakonievereins eine Kriseneinrichtung für Minderjährige, betreute Wohnangebote und zwei Obdachloseneinrichtungen. Seit Anfang 2015 engagiert sich der Träger in der Flüchtlingsarbeit. Dabei hat er sich bislang sowohl in der kurzfristigen Übernahme von drei Notunterkünften in Berlin-Neukölln, als auch mit der Einrichtung und dem Betrieb einer Gemeinschaftsunterkunft (GU) in Lichterfelde als zuverlässiger Partner etabliert.

Insbesondere durch die GU am Ostpreußendamm gehen Impulse für eine gelungene Unterbringung von besonders schützenswerten Flüchtlingen für ganz Berlin aus – sei es in der architektonischen Gestaltung des Containerdorfes, in den angepassten Therapie- und Beratungsangeboten für traumatisierte Flüchtlinge oder in der beispielhaften Arbeit mit Ehrenamtlichen.

Für die milaa gGmbH steht das Flüchtlingsthema aber nicht in Konkurrenz zu der sonstigen sozialen Arbeit. »Das Flüchtlingsthema hat uns gezeigt, zu wie viel Solidarität unsere Gesellschaft fähig ist. Künftig wird es darum gehen, diese Menschen in unsere Gesellschaft zu integrieren. Dies tun wir, indem wir sie nicht als Probleme, sondern mit ihren Ressourcen sehen«, so Jeanne Grabner, die neue Geschäftsführerin der milaa gGmbH.

Perspektivisch sollen die verschiedenen Betreuungseinrichtungen, seien es Flüchtlingsunterkünfte, Obdachlosenheime oder auch temporäre Jugendbetreuungseinrichtungen stärker zusammengedacht werden. Durch die Entwicklung von übergreifenden Angeboten können Menschen Stabilität finden, auch wenn sich ihre Bezugssysteme ändern. Jeanne Grabner: »Das erfordert Kreativität und ressortübergreifendes Denken und Handeln, aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass besonders in Zeiten der Not dazu die Bereitschaft besteht – auch und gerade in Politik und Verwaltung.«

Ein besonderes Augenmerk wird dabei immer auf der Jugendförderung liegen. Grabner, die vorher bei der Stiftung SPI und im Quartiersmanagement tätig war, engagiert sich besonders für die Chancengleichheit der Jugend: »Wenn einem jungen Menschen in unserer Gesellschaft alle Wege offen stehen, egal, wo er geboren ist, dann habe ich keine Sorge um unsere Zukunft«, so Grabner. In der Kriseneinrichtung im Berliner Bezirk Mitte ist deshalb ein Betreuungsangebot für Jugendliche etabliert worden, in dem Jugendliche für eine kurze Zeit intensiv betreut und unterstützt werden, um auf ihren Weg zurückzufinden. Ein spezielles Angebot für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge wird mit den gleichen Qualitätskriterien entwickelt: kurze Verweildauer, angepasste Beratung und Unterstützung und eine sichere Entlassung in die Selbständigkeit.

Kurzvita Jeanne Grabner

Geboren 1968 in Berlin, politisch aktiv in Oppositionsgruppen zur Zeit der »Wende« in Potsdam. Nach Grenzöffnung mehrere Jahre Aufenthalt in Mittelamerika im gewaltlosen Begleitschutz für politisch bedrohte Menschen. Nach der Rückkehr in Deutschland Arbeit als Lehrerin an verschiedenen Schulen. Entwicklung von Sprachförderprogrammen für Kinder nicht-deutscher Herkunftssprache. Ab 2005 Leiterin eines Quartiersmanagementgebietes in Berlin Wedding. In den letzten Jahren leitete sie den Geschäftsbereich Stadtentwicklung der Stiftung SPI, wo sie soziale Angebote mit den stadtpolitischen Entwicklungen verbunden hat. Nach einem kurzen Aufenthalt in Bolivien steht sie seit dem 1.3. der milaa gGmbH als Geschäftsführerin zur Verfügung. Frau Grabner ist verheiratet und Mutter von zwei Söhnen.

Kurzvita Gisela Netzeband

Als langjähriges Vorstandsmitglied großer diakonischer Einrichtungen sowie Kuratoriumsmitglied des Ev. Johannesstift Berlin und des Paul Gerhardt Stift, wurde Frau Netzeband zum 1.4.2014 zur Geschäftsführerin der NTH Hilfe in Berlin berufen. Ihr Fokus lag auf der wirtschaftlichen Stabilisierung, der Qualität der Sozialarbeit sowie dem Einstieg und Aufbau der Flüchtlingshilfe mit der milaa gGmbH. Frau Netzeband geht mit 70 Jahren in den zweiten Ruhestand.


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